Incentives im Kinderzimmer

Ich bin bei meinen Recherchen zu Bonus/Malus-Vergütungssystemen auf diesen Artikel in der Schweizer Zeitung 20 Minuten gestoßen. Der Tenor: Taschengeld für Kinder soll verlässlich sein. Mehr Taschengeld gibt keine besseren Noten. Also: Hände weg von Incentives im Kinderzimmer (hat schon bei den Banken nicht funktioniert!). (ftx)

Elterngeld und Abwrackprämie

Einfache unbürokratische Lösungen, mit denen staatliche Mittel bei denjenigen landen, die sie wirklich brauchen: Das Elterngeld gehört nicht unbedingt dazu.

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Klarheit vs. Chaos: Links die Abwrackprämie, rechts das Elterngeld

Ich weiß, dass man ja eigentlich keine Äpfel mit Birnen vergleichen soll, aber in diesem Fall habe ich schon gestutzt: Warum hat das Formular zur Beantragung des Elterngeldes mit Erläuterungen und Unterformularen und weiteren Erläuterungen 15 Seiten, während die im Volksmund so genannten Abwrackprämie (was es meiner Meinung besser trifft, als der von der Bundesregierung eingeführte Begriff „Umweltprämie“) mit drei Seiten auskommt. Und es sind nur drei Seiten, weil hier die Designer mit sehr viel Weißraum rund um die erforderlichen Unterschriften gearbeitet haben.

Mehr Geld, mehr Aufwand?

Ich sehe schon, dass natürlich ein Unterschied darin besteht, dass im Extremfall für ein Kind rund 25.200 Euro Elterngeld gezahlt werden (bei 14 monatiger Dauer zum Höchstsatz von 1800 Euro pro Monat), und dass sich dagegen die 2.500 Euro Abwrackprämie verhältnismäßig niedrig ausnehmen. Da könnte man meinen, dass ein größerer Verwaltungsaufwand von Nöten ist, um sicherzustellen, dass das Geld auch in die richtigen Hände kommt. Doch wie ist es, wenn man die 2.500 Euro Abwrackprämie den Mindestsatz des Elterngeldes gegenüber stellt, 300 Euro pro Monat, 4.200 Euro über die gesamten 14 Monate. Der Unterschied ist dann gar nicht mehr so wahnwitzig groß. Und dennoch hat das Formular für den Elterngeldantrag immer noch 15 Seiten. Wie die auszufüllen sind, wird nur kompliziert bis unverständlich erklärt.

Doch nicht nur Eltern haben damit ihre liebe Mühe. Die beim Jugendamt eingereichten Formulare gleichen im Inhalt und Aufmachung verblüffend denen, die auch bei den Finanzämtern eingereicht werden müssen. Ausgewertet werden sie allerdings von Mitarbeitern der Jugendämter. Dabei erschließen sich viele Details (etwa der Einnahmen/Überschussrechnung) oft nur hochspezialisierten Experten. Eine Berliner Sachbearbeiterin sagte mir, ihr Jugendamt habe rund ein Jahr Einarbeitungszeit gebraucht, um alle Elemente des Elterngeldes zu verstehen. Was soll man dazu sagen? Für viele Menschen ist das Elterngeld eine große Hilfe. Einfach und unbürokratisch ist die Beantragung allerdings nicht. Es wäre schön, wenn sich die Entscheidungsträger in dieser Hinsicht die Abwrackprämie zum Vorbild nehmen würde.

Elterngeld für Selbstständige

Ein Thema, das vor allem Freiberufler betrifft. Auch Selbstständige haben einen Anspruch auf Elterngeld.  Gewinne, die entfallen, weil man sich um sein Kind kümmert, werden zu 67 Prozent ersetzt. Das Gesetz beschränkt das Elterngeld auf maximal 1800 Euro. Jedem steht allerdings immer der Grundbetrag von 300 Euro zu. Zugrunde gelegt wird im Regelfall das durchschnittliche Nettoeinkommen des Vorjahres. Wie hoch das Elterngeld tatsächlich ist, kann über den Elterngeldrechner der Bundesregierung festgestellt werden.

Auszahlung unter Vorbehalt

Das Elterngeld wird vorläufig ausgezahlt. Die zuständigen Behörden verlangen meist schon kurz nach Ablauf der Elternzeit Belege über die tatsächlichen Einnahmen während der Kinderbetreuung. Damit müssen Selbstständige zwei wichtige Punkte im Blick behalten, die sich eventuell bei der Berechnung des Elterngeldes für als negativ herausstellen könnten.

1. Steuerbescheid des letzten Geschäftsjahres

Zusammen mit einem Steuerberater sollte darüber nachgedacht werden, wie das Nettogehalt aus dem Vorjahr eventuell gesteigert werden kann, um ein höheres Elterngeld zu bekommen. Hierfür könnte es sich anbieten, darauf zu wirken, dass Honorarzahlungen im Steuerbescheid des Jahres vor der Geburt berücksichtigt werden können.

2. Einnahmen während der Elternzeit

Das Elterngeld gleicht nur das Defizit aus, das dadurch entsteht, dass während der Betreuung des Kindes nicht gearbeitet werden kann. Einnahmen aus früheren Aufträgen, die in die Elternzeit fallen, werden vom Elterngeld abgezogen. Dasselbe gilt auch für Rechnungen, die während der Elternzeit gestellt werden. Die Behörden schauen nicht auf den Leistungszeitraum sondern entweder auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung oder auf den Zeitpunkt des Geldeingangs. Darauf sollte man sich vorbereiten und Auftraggeber eventuell dazu auffordern, für die Elternzeit ihre Zahlungen zurückzustellen.

Eine sehr gute Informationsquelle zum Thema ist die Mediafon-Broschüre „Wenn Selbstständige Kinder kriegen“. Zwar richtet sich die Broschüre vor allem an Selbstständige aus Medienberufen, sie bietet allerdings auch allen anderen Berufsgruppen einen guten Überblick.