Urheberrecht II: Ran ans Werk

Im Zentrum des Urheberrechts steht das Werk. Auch in dieser Frage liefert das Gesetz eine ganz gute Übersicht darüber, was darunter zu verstehen ist (§ 2 Urhebergesetz), zum Beispiel Reden, Computerprogramme, Musikstücke, Pläne, Karten und Skizzen. Es geht ganz allgemein um geistige oder künstlerische Leistungen, einem schöpferischen Prozess. Das Ergebnis muss sich durch seine Originalität von anderen Werken unterscheiden. Da ist es manchmal gar nicht so leicht zu sagen, wo das alte Werk aufhört und das neue beginnt.

Die Schöpfung und ihr Denker

Etwa im Fall des Kulturmagazins Perlentaucher. Beanstandet wurde in einem Prozess die Zusammenfassung von Buchkritiken von verschiedenen Tageszeitungen auf Perlentaucher.de. Unter anderem die FAZ fühlte sich darin in ihren Urheberrechten verletzt. Doch das Frankfurter Oberlandesgericht entschied, dass es sich bei den Zusammenfassungen um eine eigenständige Leistung und damit um eigenständige Werke handelte. „Die schöpferische Leistung der Abstract-Verfasser besteht danach darin, auf knappstem Raum den wesentlichen Inhalt der deutlich umfangreicheren Original-Rezensionen wiederzugeben“, heißt es in dem Urteil des Gerichts.

Es ist also immer vom Einzelfall abhängig, ob ein neues Werk oder nur eine Kopie vorliegt. Man liegt aber ganz gut mit seiner persönlichen Einschätzung. Wenn man das Gefühl hat, dass seine Leistung einem Text, einem Bild, einem Buch, einer Karte ganz schön ähnlich ist (und zwar so, dass es einem schon fast ein bisschen peinlich ist) sollte man vielleicht noch einmal nachdenken und sich einen neuen Dreh ausdenken. Einfach nur kopieren ist ja auch ziemlich unbefriedigend.

In sechs Schritten kreativ

Die HPI School of Design Thinking aus Potsdam, bei der ich am vergangenen Freitag zu Gast war, schult ihre Studenten darin, bei jedem kreativen Prozess in sechs Schritten vorzugehen:

1. Verstehen
2. Beobachten
3. Standpunkt definieren
4. Erfinden
5. Prototypen herstellen
6. Testen

Interessant ist daran, dass der eigentliche Prozess des Erfindens im Modell der Schule nur sehr wenig Zeit in Anspruch nimmt. Bei manchen Projekten haben die Studenten lediglich 30 Minuten. Doch mit der richtigen Vorbereitung können in einem Team von drei bis vier fachlich hoch kompetenten Studenten die Ideen nur so sprudeln. Ob’s funktioniert, ist erst einmal egal. Beim Brainstorming gehört die innere Zensur abgeschaltet.

Ob die Techniken der Schule tatsächlich funktionieren, kann man sich ab dem 3. März auf der Cebit in Hannover anschauen. In Halle 9 können Gäste unter dem Motto „Innovation lernen – Ideenwelten öffnen“ selbst mitmachen

Ideenfarben

Welche Farbe hat eine Idee? Autor und Kreativitäts-Trainer Timo Off ist auf der Suche. Auf seiner Seite www.ideenfarbe.de haben sich viele Menschen Gedanken über diese Frage gemacht und haben einige witzige, teilweise geistreiche Texte dazu verfasst. Auch wenn die Seite schon etwas älter und nicht mehr aktuell ist, der ungewöhnliche Umgang mit dem Thema Kreativität und Innovation kann ein Anstoß sein, über die eigenen Ideen nachzudenken. Vielleicht hat sie ja die Farbe eiskalten Wassers in einem tiefen Bergsee – allein der Gedanke daran belebt. Witziges und intelligentes zum Thema Kreativität findet sich übrigens auch auf Timo Offs Webseite www.geistesblitz.de.