Lehrstellensuche per Video

Videobewerbung für Lehrstellen

Videobewerbung für Lehrstellen bei der Jugendperspektive Hannover

Jetzt haben auch die Jobcenter das Thema „Bewerben per Video“ aufgegriffen. Mit der Internetseite Jugendperspektive Hannover soll die Suche nach einer Lehrstelle leichter gemacht werden. Die Bewerber stellen sich in kurzen Video kurz vor, nennen ihre Motivation für einen Beruf, ihre Vorkenntnisse, persönliche Eigenschaften und Hobbys. Zusätzlich ist der Lebenslauf im Internet für jeden einsehbar. Damit die Sache für die Bewerber nicht peinlich wird, wählt das Jobcenter die geeignetsten Kandidaten aus und spendiert ihnen professionelle Videoaufnahmen. Ob die Profile tatsächlich auch bei Arbeitgebern Beachtung finden, muss sich nun zeigen. (ftx)

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Der Chef will’s wissen (oder: „Erzählen sie mal was von sich“)

„Erzählen sie mal was von sich“, sagt der Chef. Konkreter wird es nicht, originell schon gar nicht. Und der Bewerber fragt sich: „Hat der nicht meinen Lebenslauf gelesen?“ Leider lautet die Antwort meistens: Nein. Zumindest nicht von vorne bis zum Schluss. Häufig passiert es, dass derjenige, der das Bewerbungsgespräch führt, schlicht unvorbereitet ist. Und sich selbst fragt, was ihm der Bewerber heute bieten kann. Ein Bedürfnis, mit interessanteren Fragen auch interessante Antworten zu bekommen, besteht nicht.

Hochpsychologisch Techniken werden im Bewerbungsgespräch in den meisten Fällen ohnehin nicht angewendet – entgegen den Beteuerungen mancher Karriereberater. Wer ein kleines oder mittelständisches Unternehmen führt, hat kaum Zeit, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Es geht dann nur um eins: Schafft es der Bewerber, bei seinen Erzählungen das Interesse des Gegenüber zu fesseln? Klar zu machen, dass das, was man gelernt und gearbeitet hat, auch in der neuen Firma hilfreich ist? Der Ball ist, wie man so sagt, auf der Seite des Bewerbers. Auch wenn’s manchmal ärgerlich ist.

Lebensläufe mit Ecken und Kanten

Der Kampf mit dem Online-Berwerbungsformular gehört für Arbeitssuchende zum täglichen Geschäft. Selten lassen Unternehmen genügend Raum, um allen Ecken und Kanten des Bewerbers gerecht zu werden. Oft haben Programmierer den standardisierten Betriebswirt im Hinterkopf. Anders kann es nicht zu begründen sein, dass ein großer deutscher Versicherer bei der Kategorie „Universitätsabschluss“ lediglich Bachelor, Master und Diplom zulässt, obwohl die ausgeschriebene Stelle für einen Juristen ausgeschrieben ist.  In dieser Fachrichtung gilt immer noch das Staatsexamen. Dass die juristische Ausbildung in zwei Abschnitte, nämlich Studium und Referendariat, unterteilt ist, fällt bei dem zitierten Formular vollends unter den Tisch. Der Bewerber hat die Wahl, das Referendariat als Berufsausbildung oder doch als zweites Studium anzugeben. Weder das eine noch das andere trifft die Realität.

Angemerkt: Es ist ein deutsches Studium in einem Fach, das nicht gerade als Exot gilt. Sollten Unternehmen tatsächlich interessiert an Talenten sein und den drohenden Fachkräftemangel angehen wollen, müssten sie noch einmal tief nachdenken, auf welchen sinnvollen Wegen sie das Internet zur Rekrutierung nutzen wollen. So wie es derzeit gehandhabt wird, bleibt der schale Geschmack, dass die Persönlichkeiten hinter den Lebensläufen ohnehin keine Rolle spielen.