Ein wenig Demut vor dem Zufall: „Der Schwarze Schwan“ von Nassim Nicholas Taleb

Ein wirklich empfehlenswertes Buch für all diejenigen, die sich nicht gerne mit einfachen Aussagen abfertigen lassen, sondern gerne skeptisch hinter die Dinge blicken: „Der Schwarze Schwan“ von Nassim Nicholas Taleb.

Die Ausnahme

Ausnahme mit großer Wirkung (Foto: Gerd Altmann / PIXELIO)

Talebs These: Es gibt Ereignisse, die nicht aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit vorhergesagt werden können, für die wir allerdings im Nachhinein plausible Erklärungen finden können. Und deren Eintritt derartige Auswirkungen hat, dass sie alles bisherige in den Schatten stellen.

Ich kenne dieses Phänomen aus der Praxis. Noch während der journalistischen Ausbildung schrieb ich Texte für die Börsenseite einer Tageszeitung. Unter anderem musste dabei der tägliche Kursverlauf des Dax gedeutet werden. Wenn Autowerte an einem Tag schlecht abschnitten, hieß es „Der Ölpreis ist zu hoch. Das drückt die Werte“. Wenn Autowerte an einem anderen Tag gut abschnitten, hieß es „Gute Zahlen auf dem Arbeitsmarkt. Die Leute können sich was leisten. Das treibt die Werte.“ Im Nachhinein fand sich immer irgendein Grund, um den Kursverlauf zu deuten.

Aber eigentlich hatte niemand eine Ahnung, was genau da passierte. Im Voraus wusste niemand, wie sich die Kurse am nächsten Tag entwickeln würden. Ja, Texte mussten sogar mehrmals am Tag umgeschrieben werden, um an den jeweiligen Kursverlauf angepasst zu werden, so dass sich Begründungen für positive Entwicklungen und Begründungen für negative Enwicklungen innerhalb weniger Stunden sozusagen die „Klinke in die Hand“ gaben.

Schon im Kleinen ist es ausgesprochen schwierig, Kausalitäten für Marktbewegungen zu finden, mit denen man zutreffende Prognosen treffen kann, ohne dass man lediglich Zufallstreffer erhält. Und dass das Bankenwesen Ende vergangen Jahres tatsächlich auf der Kippe stand, hatte erst recht nieman vorher gesehen.

Talebs Buch „Der Schwarze Schwan“, das in den USA im Übrigen im Jahr 2007, also vor der Finanzkrise, erschienen ist, lehrt eine gewisse Demut vor dem Zufall.

Advertisements